Mockbusters 2 – Von Dingos und Disneys

Ach je, Canis lupus dingo hatte es nie leicht. Weisen doch genetische Untersuchungen darauf hin, dass der Dingo von einer sehr kleinen Population von Paria-Hunden abstammt, die vor 5000 Jahren von malayischen Händlern mitgebracht wurde und als Abendessen gedacht war. Die Australier bauten in den 1880ern den Dingozaun um die Tiere von den dicht besiedelten Regionen im Südosten fern zu halten und Schafzüchter sehen sie deutlich lieber tot als lebendig.

Doch in Deutschland hatte bislang niemand einen Grund dem Dingo nicht zumindest neutral gegenüber zu stehen. Das könnte sich jetzt ändern, dank Dingo-Pictures.

Beim letzten Mal ging es um „Asylum“, ein Studio, das versucht leichtgläubigen Menschen mit Titeln, die ähnlich klingen, wie die von Blockbustern, das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dingo macht das ganz ähnlich, sucht sich aber leichtere Opfer: kleine Kinder und vermutlich deren Großeltern. Nehmen wir mal an, die Oma (78 Jahre) fragt, was sie dem kleinen Jason (6 Jahre) zum Geburtstag schenken soll. Der Jason ist großer Fan von Disney Zeichentrickfilmen (eigentlich ist Mama Ulrike (43 Jahre) der Fan, Jason hatte aber auch noch nie Gelegenheit einen klassischen Zeichentrickfilm im Kino zu sehen). Die ganz alten Klassiker hat er schon. Aber so ab Mitte der Neunziger würden ihm die Filme noch fehlen. „Aladdin“ wäre doch schön.

Am nächsten Tag steht Oma recht hilflos in der DVD Abteilung vom Media Markt. Nach langem Suchen findet sie endlich die DVD. Zwar steht „Aladin“ drauf aber wie groß kann der Unterschied sein.

Am Tag nach seinem Geburtstag sieht sich Jason zusammen mit der Mama den Film an. Hier ist ein Link zum „Trailor“ auf der Dingo-Seite. Man kann sich den Anfall vom Jason vorstellen, als er feststellt, das der Film nur in jeder dritten Sequenz so etwas ähnliches wie Animationen enthält, die Zeichnungen grauenhaft sind und sämtliche Stimmen von Norbert von der Müllabfuhr nach dem vierten Kurzen eingesprochen wurden. Mama Ulrike muss zum Luftgewehr mit den Ritalin-Pfeilen greifen und Oma wird verdonnert den Film zu tauschen. Der „König der Löwen“ soll es jetzt sein. Der „König der Tiere“ hat sich Oma leider gemerkt. Hier der „Trailor“ von dem was Oma anbringt. Jason hängt an der Gardine und schreit und Mama ist langsam ernsthaft sauer. Oma soll jetzt „Herkules“ besorgen. Hier ist der „Trailor“. Oma darf den Jason nicht mehr sehen, ist darüber sehr glücklich und entwickelt eine gewisse Trash-Faszination für die Filme. Deswegen kauft sie sich die Dingo-Eigenproduktion „Wabuu, der freche Waschbär“.

Wiederrum ist es erschreckend, das eine Firma mit so einem Schund Erfolg hat. Es finden sich auf der Seite nicht nur weitere Filme mit Disney Titeln, wie „Pocahontas“, „Auf der Suche nach den Dalmatinern“ oder „Atlantis“, sondern auch „Ein Prinz für Ägypten“, „Anastasia“ und „Im Land der Dinosaurier“. Wenn ihr also Freunde oder Verwandte mit Kindern, die ihr nicht ausstehen könnt, habt, sind diese Filme ideale Geschenke. Man kann ja immer noch sagen, man habe sich wohl verguckt. Das muss wohl das Geheimnis von Dingos Erfolg sein.

Juni 15, 2008. Schlagwörter: , , , , . Allet, Obskures Filmwissen, Videoschnipsel.

One Comment

  1. creativesideburner1 replied:

    Zum Schreien! Schade, dass wir die Filme nicht hier einbinden können – AUF JEDEN FALL ANKLICKEN!
    Es ist so unglaublich komisch. Also die Umsetzung ist ja sowieso der Hammer. aber die Dialoge bei Wabuu, der freche Waschbär sind der Hammer. Dort taucht auch wieder die Schildkröte aus dem König der Löwen, äh ich meine König der Tiere, auf.
    Überhaupt die Bezeichnung Trailor lässt bei mir jede Menge Dopamin durch den Körper schießen. Es ist fast schon surreal. Habe richtig Lust so einen Film etwas länger zu schauen. Schließlich wirken diese Dinger so, als hätten Schulkinder die Hintergründe gemalt und ein paar Hobbyanimateure den Rest drübergeklatscht. Wer für Drehbuch und Synchro verantwortlich ist, kann man vielleicht dem Jahrbuch der gleichen Schule und der AA-Liste entnehmen.
    Very well done Mister CS2! Yours respectfully CS1.

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